Level: A2
Words: 481
Es war spät am Abend, als Annas Handy klingelte.Sie saß in der Küche und trank ein Glas Wasser.Das Licht war schwach, und draußen war es still.Sie schaute auf das Display und erkannte die Nummer nicht.
Anna ließ das Handy einen Moment liegen.Sie mochte Anrufe am Abend nicht.Oft bedeuteten sie Probleme oder schlechte Nachrichten.Dann nahm sie doch ab.„Hallo?“, sagte sie leise.
Am anderen Ende war zuerst nichts zu hören.Nur ein kurzes Atmen.Dann sagte eine Stimme: „Anna?Ich bin es.“Die Stimme war ruhig, aber ein wenig unsicher.Anna brauchte einen Moment.Dann wusste sie, wer es war.
„Markus“, sagte sie.Es war keine Frage.Markus hatte lange nicht angerufen.Sehr lange.Anna setzte sich an den Tisch und hörte zu.
„Ich wollte nur hören, wie es dir geht“, sagte Markus.„Ich bin gerade in der Stadt.“Anna sagte nichts.Sie schaute aus dem Fenster.Die Straße war leer, ein paar Lichter spiegelten sich auf dem Asphalt.
„Mir geht es gut“, sagte sie schließlich.Es war die einfache Antwort, die sie oft benutzte.Markus schwieg kurz.Dann sagte er: „Schön.“
Sie redeten über Kleinigkeiten.Über das Wetter, über die Stadt, über alte Bekannte.Markus erzählte, dass er jetzt woanders lebte und viel arbeitete.Anna hörte zu und stellte ein paar Fragen.
Nach einer Weile sagte Markus: „Vielleicht könnten wir uns treffen.Nur auf einen Kaffee.“Anna spürte, dass ihr Herz schneller schlug.Sie hatte nicht daran gedacht, ihn zu sehen.Nicht wirklich.
„Ich weiß nicht“, sagte sie ehrlich.„Ich habe viel zu tun.“Das stimmte nicht ganz, aber es war einfacher so.Markus sagte, dass er es verstand.
Es wurde still.Anna hörte wieder das Atmen am Telefon.Sie dachte an früher.An lange Gespräche, an gemeinsame Abende, an Versprechen, die nicht gehalten worden waren.
„Ich wollte mich nur melden“, sagte Markus.„Mehr nicht.“Anna nickte, obwohl er es nicht sehen konnte.„Danke“, sagte sie.
Sie verabschiedeten sich.Das Gespräch war kurz gewesen, aber es hatte etwas bewegt.Anna legte das Handy auf den Tisch und blieb sitzen.
Nach ein paar Minuten stand sie auf und ging ins Wohnzimmer.Sie setzte sich auf das Sofa und zog die Beine an.Die Wohnung fühlte sich groß an, obwohl sie klein war.
Anna dachte an Lea und Paul.Sie fragte sich, ob sie jemandem von dem Anruf erzählen sollte.Vielleicht morgen.Vielleicht auch nicht.
Draußen begann es leicht zu regnen.Anna hörte das Geräusch der Tropfen.Es war beruhigend.Sie atmete tief ein und schloss kurz die Augen.
Sie wusste nicht, ob sie Markus wiedersehen wollte.Aber sie wusste, dass der Anruf nicht ohne Bedeutung war.Etwas aus der Vergangenheit hatte kurz angeklopft.
Dann stand sie auf, machte das Licht aus und ging schlafen.